Projektbeschreibung

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Wissenschaftliche Einführung, Erhebungen u. Ergebnisse

 

Einführung: Menschliche Alltagssprache bedient sich seit jeher diverser Bilder aus verschiedenen Lebensbereichen, aus denen sie Wörter übernimmt, um sie (meist zwecks Erhöhung der Intensität des Ausdrucks) mit übertragener Bedeutung (auch) in neuen Sprechsituationen einzusetzen: So hat das Deutsche aus dem 'Bildspendebereich' des Sports vieles übernommen (wie sich die Latte hoch legen, zum Endspurt antreten oder den berühmtberüchtigten Sitzungsmarathon), aber auch aus dem Koch- und Ernährungsbereich (vgl. jemandem in die Suppe spucken sowie das Sprichwort Viele Köche verderben den Brei) oder aus dem der (technisierten) Mobilität (einen Gang zurückschalten müssen, so richtig Gas geben wollen, Ein alter Mann ist kein D-Zug etc.). Zu den allermarkantesten Erlebnis- und Erfahrungsbereichen zählen aber die martialischen (wehrhaften, 'kriegerischen', kampfbetonten) Wörter und Wortverbindungen, da sie besonders häufig verwendet werden: die schon eingangs erwähnten Ausdrücke etwas im Schilde führen, Lunte riechen oder der Spießrutenlauf sind Zeugen alter 'Fachausdrücke', die mittlerweile ihren ursprünglichen Fachbereich verlassen und sich mit neuer, übertragener Bedeutung in der Alltagssprache eingenistet haben. Möglichst viele von ihnen zu dokumentieren, lautete die reizvolle aber auch schwierige Aufgabe, da zu unserem 'wehrhaften Wortschatz' bislang kein wissenschaftliches Sammelwerk vorlag: Er war nämlich nur verstreut, unvollständig und mit oft unzureichender Beschreibung in den verschiedenen deutschsprachigen Wörterbüchern und Lexika verzeichnet.

 

Für die Erhebung galt es nicht nur, diese Nachschlagewerke auszuwerten, sondern durch Beobachtung unserer Alltagssprache (in ihrer privaten und öffentlichen Verwendung) alle Belege zu überprüfen und jene weiteren Belege hinzuzufügen, die bislang ignoriert worden waren. Für diese anspruchsvolle Sammlungstätigkeit wurden in unserem Projekt zwei elektronische Datenbanken entwickelt, die es erlauben sollten, das gesamte Material in übersichtlicher Form zu erfassen und durch geeignetes Bildmaterial zu ergänzen; angestrebt war aber auch, damit ein modernes Medium zu besitzen, das z.B. (zwecks Dokumentation) nicht nur bei Bedarf kompakte Ausdrucke der Datensätze erlaubt, sondern es auch gestattet, für Präsentationen maßgeschneiderte Beispielsreihen mit variierenden Schwerpunkten zusammenzustellen (etwa zu den Themen 'Ritterliches', 'mit Gewehr gebildetes Wortmaterial' oder 'Umgangssprachliches'). Die Umsetzung dieses Vorhabens gelang – mit maßgeblicher technischer Unterstützung durch Herrn Helmut KLUG – mittels der Entwicklung einer speziellen Eingabemaske unter dem Programm Windows-Access: Die wichtigsten Kategorien dieser Maske sind im anschließenden Gesamtausdruck dargestellt; ausgeblendet bleiben dort die peripher mit erhobenen Informationen aus einigen weiteren (zum Teil speziell linguistischen) Kategorien.

 

Grob zusammengefasst konnten durch dieses Vorgehen auf ökonomische Weise ein Großteil aller heute gebräuchlichen martialischen Wörter oder Wortverbindungen, also so genannter Phraseologismen (mehr zum gesamten Bereich der Phraseolgie findet sich vom Verfasser unter VO zur dt. Gegenwartssprache: Phraseologie) erfasst werden! Alle diese Ausdrücke wurzeln im Bereich der 'wehrhaften Fachsprache' und sind mit neuer Bedeutung in den festen Bestand der deutschen Gegenwartssprache übergegangen. Viele davon zeigen sich hoch frequent, d.h., sie werden oft benützt und prägen daher unsere Alltagssprache nachhaltig. Freilich sind nicht alle 'Martialismen' auf den ersten Blick als solche zu erkennen, da in manchen der ursprüngliche 'wehrtechnische' Aspekt bereits semantisch verblasst ist (wie es auf jemanden abgesehen haben; vgl. den Beleg im Katalog). Leichter 'durchschaubar' geblieben sind aber andere gängige Formulierungen (etwa der Art für jemanden eine Lanze brechen oder verheerende Folgen haben), und sie sind es auch, die in die deutsche Sprache eine sehr offensive, manchmal sogar verletztende Bildhaftigkeit hereintragen können. Das ist speziell bei Neuschöpfungen der Fall, die sich moderner 'Wehrtechniken' bedienen und zu überaus markanten Wendungen führen wie mit Bomben und Granaten (durchfallen), reden wie ein Maschinengewehr oder antworten wie aus der Pistole geschossen: In bestimmten Zusammenhängen wirken solche Sprachgebungen (mehr oder weniger beabsichtigt) offensiv, beinahe deplatziert etwa im schulischen Bereich, der ja von allen Arten von Gewalt – die sprachliche Form eingeschlossen – möglichst frei bleiben sollte.

 

In Summe konnte durch dieses Projekt einerseits wunschgemäß die bislang umfangreichste Sammlung an martialischen Ausdrücken in der deutschen Gegenwartssprache erstellt werden und andererseits ist in ihr zusätzlich ein einzigartiges sprachkritisches und -pädagogisches Potenzial herangewachsen, das nicht zuletzt (auf bislang ungeahnte Weise!) unsere traditionsreiche mitteleuropäische 'Wehr-Mentalität' widerspiegelt.

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