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Geige

Geige: (nur) die zweite Geige spielen

 

Umschreibung: 1.) eine untergeordnete Rolle spielen [DUW], von untergeordneter Bedeutung sein [DURW] 2.) in untergeordneter Funktion sein [DURW]; eine untergeordnete Stellung einnehmen [Kü, S. 10055]

Historische Analyse: Die Wendung ist mit der Ausbildung des Streichquartetts im 17. und 18. Jahrhundert aufgekommen: hier hat der Spieler der ersten Geige zugleich die wichtigste, schwerste und schönste Aufgabe, und die drei Mitspielenden haben sich vor allem nach ihm zu richten. [Rö] Wer nur die zweite Geige spielt, muss sich daher in seinen Entscheidungen nach jemandem anderen richten, der die erste Geige spielt - im wörtlichen sowie im übertragenen Sinne [HS]. - Entstehungszeit: 17./ 18. Jahrhundert [Rö]

 

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Geige: die erste Geige spielen

 

Umschreibung: 1.) die führende Rolle spielen, tonangebend sein [DUW]; die Hauptperson sein, bestimmenden Einfluß ausüben [Kü, S. 10055] 2.) der geistige Mittelpunkt eines Kreises, die leitende Kraft eines Unternehmens sein [Rö]

Historische Analyse: 1.) Gemeint ist die erste Geige im Orchester, die die Melodie führt und nach der sich die zweite und dritte Geige zu richten haben [DURW]. 2.) Die Wendung ist mit der Ausbildung des Streichquartetts im 17. und 18. Jahrhundert aufgekommen: hier hat der Spieler der ersten Geige zugleich die wichtigste, schwerste und schönste Aufgabe, und die drei Mitspielenden haben sich vor allem nach ihm zu richten [Rö]. So wie die Stimmgruppe der ersten Geige im Orchester oder der erste Geiger in einem Streichquartett in homophonen Kompositionen eine wichtige, führende Rolle spielen und bestimmenden Einfluß auf die Mitspielenden ausüben, sagt man auch von anderen wichtigen und einflußreichen Personen außerhalb von musikalischen Aufführungen, sie würden 'die erste Geige spielen', um damit ihre Rolle als leitende Kraft zum Ausdruck zu bringen. Wander führt noch eine andere, ältere und heute nicht mehr gebräuchliche Variante dieser sprichwörtlichen Redensart an, in der statt der melodieführenden ersten Geige die rhythmisch und harmonisch wichtige Baßgeige eine führende Rolle spielt: 'Die Bassgeige bei etwas streichen': Bei Ausführung einer Sache mitwirken, zu den Hauptleitern gehören. 'Er spielte bei Aufführung der Posse zu Frankfurt die Bassgeige.' (Wick, Hausblatt für das Volk, vom 2. April 1864, S. 212.) [Wa, S. 3787]. - Entstehungszeit: 17./ 18. Jahrhundert [Rö] - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich [DUW] - Fremdsprachen: englisch 'to play first fiddle' und französisch 'donner le ton' [Rö]; Komplementär im Spanischen: tocar el viol√≥n (Bassgeige spielen): faulenzen, nicht tun, Unsinn treiben, den Verrückten spielen

 

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Geige: nach jemandes Geige tanzen

 

Umschreibung: 1.) willenlos alles tun, was jemand von einem verlangt [DUW]; jemand zu Willen sein; sich völlig nach jemandes Willen richten [Kü, S. 10055] 2.) jemandem gehorchen [DURW] 3.) nach jemandes Wink handeln [Rö]

Historische Analyse: Die Wendung geht davon aus, daß sich die Tänzer im allgemeinen nach der Musik richten [DURW]; wie die Geiger den Takt streichen, so müssen sich die tanzenden Paare drehen [Rö]. diesz tanzen nach √©iner geige beim feste (wie noch in der tanzstunde und ähnlichem) lebt noch als redensart: er musz nach seiner geige tanzen, z. b. ein älterer bruder dem jüngeren in allem zu willen sein; besonders auch von einer mehrheit, die sich durch √©inen wie willenlos lenken läszt [Gr]. - Entstehungszeit: geht in mittelhochdeutsche zeit zurück [Gr] - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich [DUW]

 

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