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Pfeife

Pfeife: eine Pfeife sein

 

Umschreibung: ein unfähiger, ängstlicher Mensch, Versager sein; abwertend [DUW]; dumm (töricht, untauglich) sein [Kü, S. 20339] Variante: Schülersprachlich 'Klassenpfeife': abfällig für den Klassensprecher [vgl. Kü, S. 14476]

Historische Analyse: Es gibt vier Ansätze, die Herkunft und Art der Übertragung dieses Ausdrucks zu erklären: 1.) Wohl zu Pfeife im Sinne von 'Wertloses'; die Pfeife galt als minderwertiges Blasinstrument [DUW]; Diese Abwertung zeigt uns bereits der Eintrag von Adelung zum Stichwort 'Pfeife': Der häufige Gebrauch, welchen der große Haufe von dieser Art Werkzeuge von je her gemacht hat, hat dasselbe zugleich verächtlich gemacht, daher man das Wort Pfeife von einem musikalischen Werkzeuge in anständigem Verstande nicht mehr gebraucht, indem dafür andere Nahmen, besonders aber Flöte üblich geworden sind. Über dieß sind die eigentlich pfeifenden Werkzeuge dieser Art in der heutigen Musik nicht mehr gebräuchlich. In dem einzigen Orgelpfeife hat es sich noch in der ehemahligen anständigen Bedeutung erhalten, wo es auch von den großen Röhren gebraucht wird, deren Ton man sonst eben nicht ein Pfeifen nennen würde. [Ad, S. 40446] 2.) Vielleicht verkürzt aus 'Sachpfeife' (Dudelsack): Gerade die Sackpfeife muß schon um 1500 als besonders minderwertig gegolten haben. [Rö] 3.) Vielleicht Synonym zu 'Hohlkopf': Adelung: 2. Die Pfeife, Diminutiv das Pfeifchen, Oberdeutsch Pfeiflein, ein noch in vielen Fällen des gemeinen Lebens übliches Wort, einen hohlen Raum, eine Röhre, und mit einer Röhre versehenes Ding zu bezeichnen. So werden die Zellen in den Wachsscheiben der Bienen häufig Pfeifen genannt [Ad, S. 40444], darunter auch 'Pfeife' im Sinne von urinröhre, penis [vgl. Gr] 4.) Leitet sich her entweder von 'alter Pfeife' im Sinne von Unbrauchbarkeit oder von der Windpfeife an der Orgel (der Betreffende 'macht Wind'). [Kü, S. 20337] - Entstehungszeit: 20. Jahrhundert [Rö] - Gebräuchlichkeit: salopp [DUW]

 

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Pfeife: nach jemandes Pfeife tanzen (müssen)

 

Umschreibung: 1.) gezwungenermaßen oder willenlos alles tun, was jemand von einem verlangt [DUW]; sich nach jemandem richten, jemandem gehorchen müssen [Rö]; den kleinsten Wink eines anderen befolgen [Kü, S. 20340]; sich jemandes willen fügen, ihm unbedingt gehorchen [Gr]

Historische Analyse: 1.) Die Wendung geht davon aus, daß sich die Tänzer im allgemeinen nach der Musik richten. Die Pfeife (= Flöte) war früher ein bei Tanzmusik sehr häufig verwendetes Instrument. [DURW] 2.) Zur allgemeinen Verbreitung der Wendung mag auch die Fabel vom Flöte blasenden Fischer des griechischen Fabeldichters Äsop beigetragen haben. Darin gelingt es dem Flötenspieler mit seinem Spiel nicht, die Fische an Land zu locken. Schließlich fängt er sie mit einem Netz und sagt zu den darin Zappelnden: 'Ihr schlimmen Tiere, als ich flötete, wolltet ihr nicht tanzen; wo ich aber aufgehört habe, tut ihr's'. [DUZT] Es wurde allerdings beobachtet, daß die äsopische Geschichte kaum das in der Bibel bei Mt 11,17 stehende Gleichnis beeinflußt haben kann (D. Zeller, S. 253). Denn die Aussagen sind jeweils grundverschieden: Durch das Verhalten der Fische bei Äsop wird folgende Weisheit vermittelt: was man nicht freiwillig tut, kann, in einer Zwangslage getan, wertlos werden. Die Bibelstelle lautet Mt 11,16-17): 'Wem soll ich aber dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markte sitzen und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt und ihr wolltet nicht weinen'. Das biblische Gleichnis steht für die Verstocktheit der Menschen, ähnlich dem Sprichwort 'Pfeife oder weine, so wird doch nichts daraus' (Wander III, Spalte1261, Nr.15). [Rö] 3.) Stammt entweder aus dem Totentanz, bei dem der Tod Pfeifenspieler ist, oder von der Pfeife, zu deren Tönen der Bär des Schaustellers zu tanzen hatte, oder fußt auf der Bibel (Matthäus 11, 15 ff; Lukas 7, 32). [Kü, S. 20340] - Entstehungszeit: 1.) seit dem 15. Jahrhundert; 2.) 1950 ff. [Kü, S. 20340] - Fremdsprachen: englisch: to dance to somebody¬¥s tune

 

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