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pfeifen

pfeifen: auf jemanden/ etwas pfeifen

 

Umschreibung: jemanden, etwas gering schätzen und die betreffende Person, Sache leicht entbehren können [DUW]; auf etwas verzichten [Rö]; etwas ablehnen, etwas für minderwertig halten [Kü, S. 20342]; jemanden mißachten; jemanden nicht leiden können [Kü, S. 20343]; abwertend [HS]

Historische Analyse: 1.) literarisch z.B. in Freys 'Gartengesellschaft' (46): 'ein pfeiff geb ich euch, lieben Herrn, umb alle eure gedult und geistlichkeit'. Aus dieser Stelle läßt sich schließen, daß die Grundbedeutung der Redensart ist: eine Pfeife, das heißt etwas Wertloses, für eine Sache geben. [Rö] 2.) Eine formulierte Sinnbildhandlung: wer, statt zu antworten, pfeift, drückt dadurch Geringschätzung aus. [Kü, S. 20342] 3.) als derber ausdruck der verachtung oder verweigerung, wobei wol das pfeifen mit der hinter-, lochpfeife gemeint sein kann (bairisch in die hosen pfeifen SCHM.2 1, 422, s. auf, in etwas, einem etwas scheiszen) [Gr] - Entstehungszeit: seit dem 19. Jahrhundert [Kü, S. 20343] - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich [DUW] - Faux Amis: Die Herkunft dieses Ausdrucks ist nicht ganz geklärt (vgl. die drei etymologischen Ansätze in der Rubrik 'Analyse der Bedeutung').

 

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pfeifen: auf/ aus dem letzten Loch pfeifen

 

Umschreibung: 1.) am ende sein (mit seiner kraft, seinem leben, seinem vermögen und ähnlichem) [Gr]; schwerkrank sein [Rö]; nicht weiterwissen; entkräftet sein [Kü, S. 16949] 2.) einen Darmwind laut entweichen lassen [Kü, S. 16949]; salopp

Historische Analyse: 1.) Die Wendung bezieht sich wahrscheinlich auf den Tonumfang eines Blasinstruments (z.B. einer Flöte). Wenn man auf dem letzten (=höchsten) Loch geblasen hat, kann kein höherer Ton mehr hervorgebracht werden, die Möglichkeiten des Instruments sind erschöpft. [DURW] 2.) nach dem - von unten gezählt - letzten Loch einer Flöte, mit dem der höchste, dünn klingende Ton gespielt wird [DUW]. Dieser Ton zeigt zugleich an, dass der Flötenspieler nicht mehr höher spielen kann. Auf den dabei entstehenden Ton dürfte auch die Bedeutung 2 anspielen, wobei unter dem 'letzten' Loch des Körpers das hinterste beziehungsweise unterste zu verstehen ist [HS]. Grimm belegt, dass es im 19. Jahrhundert noch weitere Wendungen gab, die sich auf die Löcher einer Flöte beziehen, beispielsweise 'auf ein lindes loch pfeifen': sich lind zeigen [vgl. Gr]. - Entstehungszeit: seit dem 16. Jahrhundert [Kü, S. 16949] - Gebräuchlichkeit: salopp [DUW], umgangssprachlich [DURW]

 

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pfeifen: einen pfeifen

 

Umschreibung: (ein Glas) Alkohol trinken [DURW]; einen Branntwein trinken [Rö]; trinken, besonders schnaps, schnell (in pfeifenden, sausenden zügen) trinken [Gr]

Historische Analyse: Die Wendung ist vorwiegend in niederen gesellschaftlichen Kreisen üblich und rührt von dem alten Brauch her, daß man, wie es noch heute ab und zu geschieht, am Rande der Flasche mit dem Mund einen pfeifenden Ton hervorbringt, ehe man aus ihr trinkt. Das Pfeifen hatte auch einen praktischen Zweck: wenn die Flasche aus undurchsichtigem Material bestand, konnte man aus der Höhe des Pfeiftons schließen, wie weit die Flasche noch gefüllt war. Da der, der pfiff, auch trank, ist der Begriff pfeifen in den des Trinkens selbst übergegangen. Neben dieser Umschreibung für Trinken, Saufen sind auch fast alle anderen Wendungen aus dem Musikbereich genommen: zum Beispiel. sagt man auch: 'einen blasen', 'einen schmettern', oder niederdeutsch 'tuten', was auch: 'Ins Horn blasen' heißt. [Rö] Stammt aus einer alten Soldaten- und Knechtssitte: vor dem Trinken bläst man in die Feldflasche (Flasche, Kruke), weil man an der Höhe oder Tiefe des pfeifenden Tons hören kann, wieviel Flüssigkeit das Gefäß noch enthält. [Kü, S. 20343] - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich; salopp [HS] - Fremdsprachen: englisch 'to wet one's whistle': einen heben [Rö]

 

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pfeifen: jemandem etwas pfeifen

 

Umschreibung: 1.) keineswegs geneigt sein, jemandes Wunsch oder Ähnliches zu erfüllen, seiner Aufforderung nachzukommen; spöttisch [DUW]; nicht tun, was jemand von einem erwartet [DURW], was jemand wünscht [Rö]; jemandem etwas ablehnen, verweigern [Kü, S. 20342] Synonym: jemandem etwas husten [Gr] 2.) jemandem etwas verraten ; jemandem etwas vertraulich mitteilen [Kü, S. 20342]

Historische Analyse: 1.) Die Herkunft dieser Wendung ist nicht genau geklärt. Vielleicht ist sie an die Stelle der älteren Wendung 'jemandem eine Pfeife (=etwas ziemlich Wertloses) geben' getreten und in diesem Sinne zu verstehen. [DURW] 2.) als derber ausdruck der verachtung oder verweigerung, wobei wol das pfeifen mit der hinter-, lochpfeife gemeint sein kann (bairisch in die hosen pfeifen SCHM.2 1, 422, s. auf, in etwas, einem etwas scheiszen) [Gr] 3.) Eine formulierte Sinnbildhandlung: wer, statt zu antworten, pfeift, drückt dadurch Geringschätzung aus. [Kü, S. 20342] ad Bedeutung 2: Leises Pfeifen läßt sich auch als Flüstern auffassen. [Kü, S. 20342] - Entstehungszeit: 1.) 1700 ff.; 2.) seit dem 19. Jahrhundert [Kü, S. 20342] - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich, salopp [DUW]; 2.) gaunersprachlich [Kü, S. 20342]

 

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pfeifen: sich eins pfeifen

 

Umschreibung: 1.) den Unbeteiligten, den Gleichgültigen spielen [DUW] 2.) eine Sache unbekümmert ihren Lauf lassen [HS]

Historische Analyse: Der Ausdruck leitet sich vom ablenkenden Pfeifen der Taschenspieler ab; vgl. dazu den Eintrag bei Adelung: Pfiff: Es scheinet, daß es in diesem Verstande, in welchem es, so wie das ganze Wort, nur im gemeinem Leben gebraucht wird, von den Taschenspielern entlehnet worden, welche, wenn sie den Zuschauern einen Handgriff verbergen, und ihre Aufmerksamkeit theilen wollen, dabey mit dem Munde zu pfeifen pflegen. [Ad, S. 40578]. Dabei pfeift ein Taschenspieler vor sich hin und tut gleichzeitig so, als hätte er mit der Durchführung des Tricks, den er vorzeigt, nichts zu tun. - Gebräuchlichkeit: umgangssprachlich [DUW] - Fremdsprachen: englisch: (umgangssprachlich) to whistle (nonchalantly) to oneself [DUOD-E]

 

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