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Sau

Sau: (wie) eine (andere/nächste/neue) Sau durchs Dorf treiben/jagen

Umschreibung: mit einer Nachricht, Ankündigung o. Ä. Aufmerksamkeit erregen (wollen) [DUR: Sau]; jmdn. oder etw. öffentlichkeitswirksam, aber unredlich angreifen/bloßstellen/vorführen [Wiktionary: Sau]

Analyse der Bedeutung: Das Femininum ‚Sau‘ als ‚Mutterschwein‘ weist die Formen ahd., mhd. asächs. mnd sowie aengl. , anord. sȳr, von germ. *sū- ausgehend, auf. Außergermanisch lässt sich die Verwandtschaft mit griech. sȳ́s (σῦς) und hȳ́s (ὗς) (‚Schwein, Sau, Eber’) sowie lat. sūs (‚Schwein’) bestimmen, weshalb sich der etymologische Ursprung an der ie. Wurzel *sū̌- (ie. *sūs im Sinne von ‚Schwein, Sau’) festmachen lässt. Auf onomatopoetischer Basis sind die Formen aind. sūkaráḥ, lat. sucula, air. socc sāil, asächs. suga, aengl. sugu, engl. sow, mnl. soghe, seughe, nl. zeug und schwed. sugga entstanden. [Vgl. WPE: Sau].
Einer These zufolge, führe die vorliegende in verschiedenen Varianten belegbare Redensart (wie) eine (andere/nächste/neue) Sau durchs Dorf treiben/jagen auf die mittelalterlichen Ehrenstrafen zurück, wo die ehrlose Person am Pranger zusätzlich mittels einer Schandmaske oder Verkleidung stigmatisiert und durchs Dorf geführt wurde. [Vgl. Haaner Treff 2020; vgl. HRG-AD: Ehrenstrafe].
Analog zur schändlichen Person, die optisch als Schwein verkleidet zur Schau gestellt und verspottet wurde, wird eine Sau im übertragenen Sinne durchs Dorf getrieben, um auszudrücken, dass es etwas zu berichten gibt oder eine Person schikaniert wird. [GG] - 

Realienkundliches: Laut dem Deutschen Rechtswörterbuch wird die Schandmaske entweder als ‚Schnapper‘ [DRW-WA: Schnapper] oder ‚Schnabel‘ [DRW-WA: Schnabel III] bezeichnet. Ein Schwäbisches Wörterbuch aus dem Jahr 1700 beinhaltet, dass einem zu Strafenden eine solche Maske aufgesetzt wurde und er durchs Dorf geführt wurde:

ist er mit einer anhangend wagen vorlanden und aufgesetztem schnapper zur straff ein stuck weith in das dorf geführt worden (1700 SchwäbWB. V 1030) [DRW-WA: Schnapper]

Als ‚Schnabel‘ taucht eine Schandmaske im Zusammenhang mit zu strafender ‚Unzucht‘ auf, wobei der Mann eine aus Eisen aufgesetzt bekommt, die Frau hingegen einen Strohkranz mit Zöpfen. Der schandhafte Charakter wird auch über die zu verrichtende Arbeit vor den Augen der Öffentlichkeit deutlich:

[bei Unzucht wird] das mannsbild mit einem auftragenden eysenen schnabel und oben daran hangender glocken an einem karren angeschlossener; das weibsbild ... mit aufgesetzten strohenen kranz und zöpffen ... zur offentlichen arbeit angehalten. (Mitte 18. Jh. Alemannia 2 (1875) 125) [DRW-WA: Schnabel III]

Diastratik: umgangssprachlich [DUR: Sau] - Semantische Prozesse: sprichwörtliche Redensart - Figuriertheit: Drastik; Komik; Vergleich; Hyperbel

 

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Projektleitung

Ao. Univ.-Prof. i.R. Dr.

Wernfried HOFMEISTER



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