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Tretmühle

Tretmühle: (in der) Tretmühle (stecken)

Umschreibung: in einem sich ständig wiederholenden und unbefriedigenden Arbeitsproze[ss] stehen [LDR: Tretmühle]; einförmige, sich täglich wiederholende Berufsarbeit [eWDG: Tretmühle]

Analyse der Bedeutung: Als feminines Substantiv wird mittels ‚Mühle‘ auf eine ‚Mühlanlage für Getreide‘ konkret Bezug genommen. Ahd. quirna, mhd. kürn(e), asächs. quern, aengl. cweorn(e), engl. quern, anord. kvern sowie got. -quaírnus bezeichneten zunächst noch die germanische ‚Handmühle‘, die sowohl technisch als auch terminologisch ab römischer Zeit abgelöst wurde. Aus spätlat. molīna gehen die Entlehnungen ahd. mulī sowie mulīn, mhd. mül, müle, asächs. muli, mnd. mȫle, mnl. mōlen(e), nl. molen, afries. mol(e)ne wie monle und moune, aengl. mylen, engl. mill hervor, die auf die ‚Wassermühle‘ referieren. Die ‚Tretmühle‘, ein ‚mit Querleisten versehenes Maschinenrad, das ein Mensch oder Tier von Leiste zu Leiste steigend durch sein Körpergewicht in Bewegung hält‘ ist bereits im Spätmhd. in der Form von tretemüle bezeugt. [Vgl. WPE: Tretmühle].
Die Metapher Tretmühle im Sinne einer ‚unaufhörlichen öden Arbeit‘ lässt sich auf eine besonders anstrengende Art der Arbeitsstrafe des Mittelalters und der Neuzeit zurückführen, wo die verurteilte Person über ein Tretrad in unterschiedlichen Ausformungen als Steig- oder Laufrad die Mühle in Bewegung setzen musste. Die Tretmühle bot Platz für bis zu 20 Menschen, die für gewöhnlich alle acht Minuten neu eingewechselt wurden. Ist das Tretrad horizontal ausgerichtet, hält sich die delinquente Person mit den Händen an einer Stange fest und sorgt durch das Steigen auf die Leisten für eine Rotationsbewegung des Rades. Während hier die volle Muskelkraft gefordert ist, ist bei vertikaler Lage ein höheres Körpergewicht von Vorteil. Als Strafinstrument fand sie in England, wie u. a. Oscar Wilde belegt, und Nordamerika beliebte Anwendung. Im rein wirtschaftlichen Kontext wurde sie neben Menschen von Tieren wie Ochsen, Pferden oder sogar Hunden angetrieben. [Vgl. ROE: Tretmühle; vgl. HCL: Tretmühle; MGKL: Tretrad].
Die eintönige, aussichtslose und mit großer Mühsamkeit verbundene Strafarbeit an der Tretmühle fungiert als Bildspender für den heutigen metaphorischen Gehalt, der mit dem Ausdruck Tretmühle sowie auch mit dessen gebildeten Wendungen steckt. [GG] - Entstehungszeit: 19. Jh. [WPE: Mühle] - 

Realienkundliches: Durch The Ballad Of Reading Gaol von 1897 verarbeitet Oscar Wilde die Erlebnisse während seiner Zwangsarbeit in Reading, welche 1895 über ihn aufgrund seiner homosexuellen Orientierung verhängt worden war. Unter anderem schildert er das Schwitzen in der Tretmühle:

We sewed the sacks, we broke the stones, We turned the dusty drill:
We banged the tins, and bawled the hymns,
And sweated on the mill: But in the heart of every man
Terror was lying still. [Wilde 1897, III, 8]

Diastratik: umgangssprachlich [eWDG: Tretmühle] - Semantische Prozesse: sprichwörtliche Redensart (in der Tretmühle stecken) - Interlingual Kompatibles: dän.: trædemølle [PONS]; engl.: treadmill [PONS]; frz.: train-train [PONS]; ital.: trantran [PONS]; nl.: tredmolen [PONS] - Figuriertheit: Drastik; Hyperbel - Querverweis: ↑Danaidenarbeit; ↑Sisyphosarbeit/Sisyphusarbeit

 

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Tretmühle: aus der Tretmühle ausbrechen

Umschreibung: sich aus einem eintönigen Kreislauf befreien [GG]

Analyse der Bedeutung: Vgl. ↑(in der) Tretmühle (stecken). - Realienkundliches: Vgl. ↑(in der) Tretmühle (stecken). - Diastratik: umgangssprachlich [eWDG: Tretmühle] - Semantische Prozesse: sprichwörtliche Redensart - Figuriertheit: Drastik; Hyperbel
5.1.17 Hinrichtung

 

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Projektleitung

Ao. Univ.-Prof. i.R. Dr.

Wernfried HOFMEISTER



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